Some say the world will end in fire

Auf dem Vorplatz des Bahnhofs Dammtor kann man dieser Tage eine Eisskulpturen-Ausstellung besuchen. Von überall kommen Künstler – aus Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, ja, sogar ein Eisskulpturenschnitzer aus Bayern ist anwesend. Leider hat niemand mit diesem Winter gerechnet, der so mild ist, dass der Besucher, betritt er erwartungsfroh das Gelände, dort kaum mehr als eine riesige Pfütze vorfindet.

Schon sammeln sich in Scharen erboste Besucher um das Kassenhäusschen, mit nassen Füßen und roten Gesichtern – rot vor Wut, nicht vor Kälte. Auch der eilige Versuch, die Ausstellung angesichts der halb zerflossenen Exponate zu einem Happening der surrealistischen Eisskulpturenszene umzudeklarieren, trägt nicht die erhofften Früchte.

Sorgenvolle Eisskulpturenschnitzer sprechen düster in Fernsehkameras; ein besonders renommierter Künstler gibt gar seinen Umzug nach Island bekannt. Im Hintergrund tropfen die Skulpturen. Die einst detailreich gearbeitete Szenerie des Kampfs Siegfried gegen den Drachen sieht nunmehr aus, als habe Keith Haring sie gestaltet.

Viele Nachrichtensendungen lassen ihren Wetterbericht vor dieser symbolträchtigen Kulisse moderieren. Hier sind es Meteorologen, die traurig in die Kameras schauen. Das Wort „Apokalypse“ fällt recht häufig. Vor den Fernsehschirmen finden dramatische Szenen statt.

Nur Leonard Cohen ist gelassen. Er steht in einer Ecke und sagt:“vielleicht hat die Apokalypse schon stattgefunden, aber niemand hat sie bemerkt.“ Dann lächelt er milde. Er steht da noch eine ganze Weile und blickt besonnen auf die Szenerie, bis er irgendwann am späten Nachmittag zu einer großen Pfütze zerschmolzen ist.

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