Ihr bringt die Musik, ich die Rezension (14)

Hello again! Da bin ich wieder. Leider habe ich in der Zwischenzeit keinen Roman geschrieben, sondern eine fiese Schreibblockade bekämpft, die jetzt fürs Erste überwunden scheint. Ich werde mir dennoch überlegen müssen, ob sich das Pensum von fünf Rezensionen in der Woche zukünftig aufrechterhalten lässt. Ich meine – ich könnte durchaus auch mal etwas zu anderen Themen schreiben, oder nicht? Vorschläge diesbezüglich sind mir hochwillkommen. Diesmal soll es allerdings nochmal um ein Album gehen, und zwar um „Deadwing“ von Porcupine Tree. Film ab!

porcupine

Mal angenommen, es ließen sich noch Seelen finden in diesem urbanen Moloch, zwischen den blanken Hochhausfassaden, hinter denen Maschinenherzen schlagen – vielleicht sängen sie diese Lieder. Glatte, technisierte Weisen, weil sie nie eine andere Sprache lernten. Doch es glimmt Gefühl darunter, ein Glutschein der von den Stellen herrührt, die noch keine Asche sind. Hin und wieder schlagen gar einige Flammen hoch aus diesen Kraterlandschaften, die einst Seelen waren. Ich habe mir einmal das Wort “Kraterstimmung” ausgedacht. Es passt, wie ich finde, sehr gut zu dieser Musik.

Es sind “Blade Runner“-Szenarien, die sich geradezu in mein Bewusstsein drängen, wenn ich mich mit “Deadwing” beschäftige. Wobei “Blade Runner” hier nicht bloß für den Film, sondern für eine bestimmte Art der Ästhetik steht, für eine sterile Urbanität, die sowohl in ihrer Komplexität beeindruckt, als auch mit ihrer Sterilität erstickt. Das Design von Dystopien – Porcupine Tree haben es auf ihre Musik übertragen. Und wie die Menschen umso eindringlicher um ihre Seelen und um ihre Freiheit kämpfen in den beschriebenen Szenarien, so stemmt sich der Sänger stimmlich und vor allem textlich an gegen das Gefängnis des komplexen, kalten Sounds. Ich will bei der Musik nur aus Gewohnheit von ProgRock sprechen, denn hier schaukelt überhaupt nichts, es ist alles unter Kontrolle. Umso stärker gerät der “Protagonist“ ins Trudeln; unter Schmerzen gibt er Zeilen wie “This City drains me. / Well maybe it’s the smell of gasoline. / The Millions pain me. / It’s easier to talk to my PC” von sich gibt. Dieser Widerstreit wird bis zum Ende des Albums nicht entschieden. Das ist gut, denn so bleibt die Spannung erhalten. “Deadwing” von Porcupine Tree, das ist Musik, die man auf dem Rücksitz einer Limousine hören möchte, während man seine Depressionen mit feinstem Kokain bestäubt. Und das ist immerhin schon besser, als im Taxi zu weinen, geschweige denn in einem Linienbus.

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3 Gedanken zu „Ihr bringt die Musik, ich die Rezension (14)

  1. Mad Earl sagt:

    Schreibblockade eindeutig überwunden.

    Interessanterweise habe ich dieses Album zum selben Zeitpunkt zum ersten Mal gehört, zu dem mir eine Luxuslimousine in den Schoß gefallen ist, und damit bin ich in der Tat, wenn auch im Fahrersitz und unbekokst, gedanklich beim Hören oft unterwegs zum Pflegeheim des früheren Besitzers, der heuer verstorben ist. Da paßt auch die Gesamtstimmung des Albums gut dazu. Sehr schön beschrieben.

  2. susealiaspaul sagt:

    jaaa, es geht auffwärts 🙂
    gleich da mal 4 sterne hingedingst.

    ich brauchte 3 bis 5 anläufe, um bei „glutschein“ nicht „gutschein“ zu lesen (was btw auch seinen ganz eigenen sinn-charme hätte^^).
    und ich würd ja lieber im hvv-bus weinen, als meine depressionen in einer limousine mit irgendwas zu bestäuben, aber nun gut.
    Vom youtube-hörbeispiel her würde ich es eher in ziemlich verstreut in eine playlist für lange-lange-nicht-superangenehme-aber-iwie-schon-ok-autofahrten einordnen.

    So, und ich finde, 2 Rezensionen (exklusive Fremdrezension) sind mehr als ausreichend. Weniger wär auch ok, vielleicht auf 14 Tage 3 Rezensionenund eine fremdrezension verteilt. oder noch weniger.
    es sei denn, dein ziel ist es, bei lebensende alle existierenden alben mindestens einmal rezensiert zu haben (dann hingegen müsstest du dein pensum noch etwas anziehen!).
    auf jeden fall solltest du nicht mehr machen, als du Lust/Spaß dran hast.
    nur so meine meinung.

  3. susealiaspaul sagt:

    (ich fühle mich durch meinen Stolz genötigt, mich für den Fehler in „auf(f)wärts“ und sämtliche weitere Tippfehler zu entschuldigen… Entschuldigung!)

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