Ihr bringt die Musik, ich die Rezension (11)

La, le, lu, nur der Mann im Mond schaut zu, wie ich diesen Text hier poste… Thema heute: „Dizzy“ von Pawnshop Orchestra.

pawnshop

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Besser gesagt: ich liebte es, wenn ein Plan funktionierte. Ist nie der Fall. (Ist doch der Fall. Aber ich habe mir sagen lassen, dass das Publikum Underdogs liebt. Menschen, die vom Leben zerschunden sind. Ob dieser Plan funktionieren wird, mich als solcher zu inszenieren? Bestimmt. Ich muss nur daran denken, gleich das Eingeklammerte zu schwärzen…) Äh, wo war ich…

Ach so. Also, WENN ich mein neues Leben als Musikkritiker mit einem Plan begonnen hätte, dann hätte er vielleicht so ausgesehen, dass ich im Laufe der Zeit so viele Leute für meine Serie begeistere, dass ich regelrecht mit Musik zugeschüttet werde, versehen mit der Bitte: “Rezensiere das!” Und DANN könnte ich jetzt an meiner Zigarre kauen und sagen: “Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!” Heute hat man nämlich schon zum zweiten Mal Musik kostenlos zur Besprechung überlassen; nach dem Weltherrscher war Daniel Decker aka @aktenkundig formally known as “Pawnshop Orchestra” diesmal der edle Spender. Seine ganze Diskographie hat jetzt einen Ehrenplatz in meinem Download-Ordner. Seine Diskographie, das sind unter anderem zwei Longplayer, von denen einer auf den Namen “Dizzy” hört. Und um dieses zweite Album soll es heute gehen.

Mit “Ein schlechtes Lied” beginnt es, das wiederum eröffnet mit der Zeile “Vielleicht schreibe ich Lieder, weil ich zu dumm bin, ein Buch zu schreiben.” Da hat er mich bereits, der Daniel Decker. Bestimmt kennt er auch den Underdog-Trick. “Ein schlechter Poet”, wie er im Folgenden behauptet, ist er nämlich keineswegs. Ich bin hingerissen. Die Hingerissenheit reißt auch in den folgenden 40 Minuten nicht ab. Zumindest von den Texten, von den Songs. Ich meine – “Opinion-Leader sind auch nur Führer”! Oder “Meine Augen drehen immer noch ihre Runden”! Das will man doch in Tücher sticken! StudiVZ-Gruppen dieses Namens eröffnen, die tags darauf sicher schon 393 Mitglieder haben… Musikalisch pendelt Decker zwischen mal sentimentalem, mal widerborstigem Indiepop, wobei ich klar den wehmütigen Momenten den Vorzug gebe. Das ist nur mein persönlicher Geschmack. Ich bin halt ein alter Gefühlsdusel. So oder so: an großen Melodien herrscht kein Mangel, die Ohren werden geradezu damit geflutet.

Aber – der Leser rechnete sicher schon mit diesem “Aber” – es gibt auch einen großen Minuspunkt. Und zwar: die Produktion. Diese Lieder hätten einen fetteren Sound, mehr Mut zum Prunk sicher gut vertragen. Der blecherne, eckige Klang passt vielleicht zu Sonic Youth, hier allerdings hätte es ein klares Bekenntnis zum Pop Not getan. Die Songs sind so gut, dass sie auch so funktionieren. Aber sie hätten besser funktionieren können, verflucht! Und so bleibt eine Romanze, was die große Liebe hätte sein können.

Vielleicht kommt die große Liebe dann ja mit dem nächsten Album? Kann gut sein! Der Song “Diazep”, den Daniel Decker auf seiner myspace-Seite streamt, lässt jedenfalls auf Großes hoffen.

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2 Gedanken zu „Ihr bringt die Musik, ich die Rezension (11)

  1. foxeen sagt:

    Habs grad schon getwittert: Meine Neugier hast du geweckt… Liest sich auch sehr kurzweilig! (Ganz klein in Klammern: Über die mittleren 2 Sätze im vorletzten Absatz könntest du nochmal drüberlesen, da will „vertragen“ > „getan“ sein und im nächsten Satz das „steht“ steht da so komisch rum… Kannst diesen Kommentar auch gern löschen, war nur der einfachste Weg, wenn ich schon des Nachts vermutlich zur Erstleserin geraten bin…)

    Gruß von foxeen aka Gesine

    • quengelexemplar sagt:

      Huch! Danke für den netten Kommentar und die freundlichen Hinweise. Das kommt davon, wenn man im letzten Moment doch noch Formulierungen abändern möchte… Ärgerlich!

      Ich lasse deinen Kommentar trotzdem stehen. Kommentare zu löschen finde ich irgendwie… falsch.

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