Ich bringe die Musik, ihr die Rezension (9)

Hallo, hallo? Kann mich jemand hören? Oder schlafen etwa schon alle? Wie auch immer: hier ist mein Text zu „Pas de bras, pas de chocolat“ von Bertrand Betsch.

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Na, das sind ja tolle Vorraussetzungen. Mitten in der Nacht ist es nun, da ich mich an das Schreiben dieser Rezension mache. Das Leben, das böse echte Leben, das mich schon oft genug nicht einfach twittern und dabei zufrieden glucksen lässt – nun durchkreuzt es auch meine Pläne einer zweiten Karriere als Musikkritiker. Wieder werde ich an meiner selbst gesetzten 0-Uhr-Deadline scheitern. Mein Herz ist schwer. Dabei sollte mein Text doch, dem Sujet angemessen, französische Leichtigkeit versprühen!

Wobei: wenn ich Franzose wäre, gingen mir Klischees wie “französische Leichtigkeit” und dass die dumme Restwelt aus all meinen Äußerungen l’amour und savoir vivre heraushören möchte, sicher reichlich gegen den Strich . Auch ein Franzose schimpft manchmal wie ein kesselflickender Rohrspatz und dann soll bestimmt niemandem warm ums Herz werden. Die Hölle soll heiß werden. Aber das versteht der Nichtfranzose erst, wenn die Hölle zufriert.

Ein ähnliches Unart lässt die nichtfranzösische Welt im Bereich “populäre französische Musik” walten. Wo die Französisch immer die “Sprache der Liebe” ist, so sind französische Lieder immer gleich “Chansons”. Was zunächst einmal der Sache nach richtig ist, da nun mal “Chansons” dabei herauskommt, wenn man “Lieder” ins Französische übersetzt. Nur scheint “Chansons” für Max Mustermann so eine Art Genre-Bezeichnung sein für alles zu sein, was aus Frankreich kommt, während Jean-Luc Échantillon da vielleicht lieber differenzieren möchte.

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Bertrand Betsch, den ich heute bespreche, ist beispielweise Pop. Pop Pop Pop. Daran ändert auch die Sprache nichts. Ob die Musik allerdings aufgrund seiner Nation so klingt, wie sie klingt, ist eine andere Frage. Denn – so energisch ich mich auch dafür ausgesprochen habe, die Franzosen endlich einmal etwas differenzierter wahrzunehmen, kann ich es nun doch nicht anders sagen: Bertrand Betschs Musik ist französisch leicht. Was soll man da machen?

Feiern zum Beispiel. Sich entspannen. Oder aber bügeln. Für dies alles sind diese unerhört abwechslungsreichen Songs geeignet und noch für soviel mehr… (Der geneigte Leser darf sich nun gerne ein verschwörerisches Zwinkern hinzudenken.) Wobei hier nicht gilt, was man dem Dudelfunk so oft zu Recht vorwirft – dass die Musik vor allem nicht stört. Nein: sie bereichert vielmehr jede Situation, verleiht selbst Banalem Style. Ganz klar: Bertrand Betsch ist ein Könner. Ein Könner, der nicht mit seinem Können prahlt und ganz nonchalant eine eingängige Melodie nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt. Und den Hörer schüttelt er gleich mit durch, manchmal eher die Hüfte, manchmal hingegen die Seele. Mich hingegen hat die Musik jetzt durch diesen Text geschüttelt und mein Herz ist nun gar nicht mehr schwer. Im Gegenteil: nun sehe ich durch meine Brille la vie en rose.

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