Ihr bringt die Musik, ich die Rezension (7)

Hui, das ging mir jetzt ganz locker von der Hand. Wunderbar! Schön auch, dass man mir mal etwas populärere Musik aufgetragen hat. All der obskure Kram ist zwar sehr interessant, aber er mehrt den Ruhm dieses Blogs sicher nicht… Der Freejazz ist dann morgen wieder an der Reihe. Heute soll es allerdings um „Kiss Of Death“ von Motörhead gehen.

motorhead-kiss-of-death

Nicht die Warzen erwähnen, nicht die Warzen erwähnen… Schönen guten Tage, meine Damen und Warzen… Oh nein!

Noch einmal von vorn. Aaaaalso:

Wieder soll ich schwindsüchtige Gestalt dorthin, wo das pumperlg’sunde Leben tobt. Und wie das Leben tobt im Falle Motörhead! Seit 34 Jahren bereits. Wobei man bei soviel Erfahrung wohl eher sagen sollte, sie performen das tobende Leben. Mit kühlem Kopf lassen sie ein kontrolliertes Chaos auf den Hörer los. Und wie bringe ich jetzt noch die Metapher vom Monstertruck unter, der auf seiner eigenen Autobahn rast?

Kommen wir erst einmal zu etwas völlig anderen, damit ich wieder zu mir kommen kann. Zu mir und zu Motörhead ist folgendes zu sagen: ich habe immer vage mit ihnen sympathisiert, obwohl mich ihre Musik nicht ausnehmend interessiert hat. Die paar Songs, die ich von ihnen kannte, hörten sich alle recht ähnlich an – ein Eindruck, der auch dem entspricht, was selbst eingefleischte Motörhead-Fans über ihre Lieblingsband sagen: kennste eine Album, kennste alle. Für manche Menschen mag diese Art der Verlässlichkeit für eine Band sprechen, ich hingegen stehe mehr auf Musiker, die mich verlässlich überraschen. Auch der zeitweilige, verstörende Trend, dass gehäuft Menschen mit Unisex-Stinktier-Frisuren stolz ihre Motörhead-Shirts auftrugen, hat mich der Band nicht wirklich näher gebracht, auch wenn die Band selber sicher am allerwenigsten dafür kann. Der Image-Schaden war trotzdem geschehen.

Die vage Sympathie, von der ich schrieb, war vor allem dem faszinierenden Haudegen Lemmy zu verdanken. Diese knorrige Type, dieser unbeugbare Alkoholiker mit dem trockenen Humor, der stets mit sanfter, kultivierter Stimme spricht und abseits der Bühne eine buddhistische Ruhe ausstrahlt. Ich könnte mich stundenlang zu seinen Füßen hinlegen und Anekdoten aus einem Rock’n’Roll-Leben lauschen, für das ich selbst immer zu anämisch gewesen bin.

Nun habe ich also mit “Kiss Of Death” mein erstes, vollständiges Motörhead-Album gehört und kann sagen, dass meine Meinung nun ein wenig differenzierter ist. In Wahrheit klingen die Songs ja nicht alle völlig gleich. Ich habe so schätzungsweise fünf unterschiedliche gehört, von denen einer völlig aus der Reihe fällt, weil hier das sonst durchweg flotte Tempo ungefähr auf die Hälfte reduziert wurde. Hierbei handelt es sich übrigens um einen der schwächeren Songs. Wie auch immer: gerade in der ersten Hälfte finden sich Momente großer Schönheit in all dem Lärm. Vor allem einige der Refrains machen was her. Die Texte sind zwar gespickt mit Rock’n’Roll-Klischees, aber nicht unclever und vor allem passend. Mal ehrlich – so belesen Lemmy auch angeblich ist, in diesem Zusammenhang braucht es keine große Poesie. Brauche ich das alles wirklich, um ein glücklicheres Leben zu führen? Sicherlich nicht. Aber mein Respekt und meiner Sympathie für Lemmy haben auch keinen Schaden genommen, sind nicht einmal ins Schlingern geraten.

“Schlingern“ schreibe ich deswegen, weil ich nun gerne auf die Monstertruck-Metapher zurückzukommen möchte. Denn genau das sind Motörhead: ein gut geölter Monstertruck, der unbeirrt seiner Wege… äh… wälzt. Aber, siehe da, dieser Monstertruck ist auch ein Transformer, der verschiedene Gestalten annehmen kann, von denen eine agiler als die andere durch die Gegend hechtet. Die präferierter Form ist dann aber doch die des Monstertrucks. Ein lieber Monstertruck allerdings, der nichts niederwalzt. Warum sollte er auch? Er fährt schließlich auf seiner eigenen Autobahn.

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4 Gedanken zu „Ihr bringt die Musik, ich die Rezension (7)

  1. utzinhh sagt:

    Der Autor bewegt sich auf dünnem Eis! Und? Ich nenne es Mut zur Lücke! Denn die bisherigen Rezensionen waren a) zu totalen scheiß Bands b)toten Typen und c)Bands, die sich aufgelöst haben! Wobei Mahler noch ein guter war!

    Aber egal! Er hat sich einer schweren Aufgabe gestellt, immerhin sind Motörhead die Stones des Hardrocks!

    Ich mag die Rezension! Das zählt für mich! Vielleicht sieht man sich ja mal bei einem Motörheadkonzert, denn das macht diese Band aus!

  2. zodiac sagt:

    „metal !=! >,< !!!!!!!!!!!!!!!"

    Sinnloser Kommentar Nr. 32871

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